Presse

Laura, 27.12.2006:

Laura-Redakteurin testete Begleitservice für Frauen: „Heute miete ich mir diesen Mann“

Kai, 40 Jahre, früher Kaufmann, heute Sportcoach. Mehr weiß Gitta Schröder nicht über den Hamburger, den sie sich für einen Abend gebucht hat …

Wir sind für 19 Uhr in dem kleinen, spanischen Restaurant verabredet, das ich schon seit Ewigkeiten kenne. Heimvorteil dachte ich. Aber es hilft nichts: Ich sterbe vor Aufregung. Und alles, weil ich heute Kai treffe — den Herrn vom Begleitservice. Oder sollte ich sagen, meinen Mann für gewisse Stunden …?

Nein — mit Richard Gere in seiner Glanzrolle als Callboy hat Kai nichts zu tun. Das hatte Silke Carstensen, Betreiberin des Begleitservices „Compagna“, gleich klargestellt. „Unsere Herren können Sie für 45 Euro die Stunde als Begleitung für Party, Freizeit oder Kultur buchen. Oder auch fürs Tanzen oder Shoppen.“

Mehr ist also nicht drin. Silke Carstensen wollte ein Angebot für Frauen schaffen, die keine Lust haben auf diese typischen Blicke, wenn sie alleine bei Partys oder auf Hochzeiten auftauchen. Oder für Frauen, die es sich einfach mal gönnen, mit einem charmanten, gut aussehenden Mann auszugehen.

Tatsächlich bietet der Katalog für jede etwas. Denn unter den rund 30 Männern im Alter von 28 bis 63 Jahren gibt es eine Bandbreite vom Skilehrer über den Banker bis zum Feng-Shui-Berater, Schiffsingenieur und Regisseur. [...] Wahrscheinlich lieben sie einfach die Frauen, denke ich noch, als ich um Punkt 19 Uhr vorm spanischen Restaurant stehe und mit Schwung die Tür aufreiße.

Ein kurzer Blick genügt, um den Mann im beigen Sakko auszumachen, der sofort lächelnd aufgesprungen ist. Das muss er sein. Kai. Gut sieht er aus. Besser als auf dem Foto im Katalog. Stellt sich mit festem Händedruck vor und nimmt mir den Mantel ab. Ganz Gentleman.

Als wir uns hinsetzen, fragt Kai besorgt, ob alles okay ist, weil ich so unruhig auf dem Stuhl herumrutsche. Aber ich schüttele den Kopf: „Nein — ich fühl mich nur ein bisschen blöd. Das macht man ja nicht jeden Tag — einen Mann buchen …“.

Kai beruhigt mich schnell: „Meinen Respekt haben Sie auf jeden Fall. Denn schon dass Sie mich gebucht haben, spricht dafür, dass Sie eine sehr mutige, zielstrebige Frau sind.“ Das ist schon mal recht galant. Seine Kundinnen seien übrigens oft starke Frauen: „Das sind keine einsamem, verzweifelten Frauen — ganz im Gegenteil. Aber sie gönnen sich eben mal eine Veranstaltung in männlicher Begleitung. Und wenn eine Frau mich als Partner für eine Hochzeit bucht, kann ich das auch gut verstehen. Wer hat schon Lust auf diese mitleidigen Blicke?“

Schon ist das Eis gebrochen, ich fühle mich gut. Biete meinem Mietmann wenig später das Du an. Weil wir doch fast gleich alt sind. Kai findet das auch entspannter. Wir plaudern ungezwungen. Über seinen früheren Versicherungsjob, der ihm irgendwann zu langweilig war. Und darüber, dass er dann sein Hobby Karate zum Job machte, indem er persönlicher Sporttrainer wurde. Weit herumgekommen ist er, liebt gutes Essen, Ausgehen, Leute treffen, Frauen. Deswegen hat ihn der Job bei der Begleit-Agentur interessiert, von der er in der Zeitung las.

„Bist du denn ein Frauentyp?“ frage ich und beobachte seine blaue Augen mit den Lachfältchen, die schmalen Hände, den breiten Silberring (kein Ehering), die teure Uhr ... „Nein — ich bin eher der lockere Hamburger Jung“, sagt er. Wie viele Dates er schon hatte, möchte ich nun doch wissen. Kai lächelt: „Erst sechs Buchungen — Dates sind für mich aber etwas anderes.  Ich verstehe mich als Dienstleister. Als Begleiter in Konzerte, für Theaterbesuche oder als Alibi-Partner.“ Wie bitte?

Kai: „Dafür muss man sich vorher am besten mit der Frau absprechen, wie man sich angeblich kennen gelernt hat. Ein bisschen ist das wie Theaterspielen und macht richtig Spaß.“ Sofort schießen mir Situationen durch den Kopf, in denen ein solcher Bluff auffliegt. Wäre das peinlich! Aber auch hier beim Spanier sieht mir ja keiner den gekauften Begleiter an. Kai ist schließlich Profi. „Was sagt deine Freundin eigentlich dazu?“, will ich wissen. „Ich habe keine. Aber ich würde den Job sofort an den Nagel hängen, wenn ich eine hätte. Ich glaube, das würde keine Frau tolerieren. Und: Es könnte ja auch wirklich mal passieren, dass ich meiner Traumfrau über den Weg laufe …“

Ich grinse: „Oder wenn eine der Kundinnen doch mal Sex wollte …“ Kai schüttelt den Kopf: „Nein — das habe ich noch nicht erlebt und würde es auch sofort ablehnen.“

Ach ja — kein Richard Gere, erinnere ich mich. Trotzdem bleibe ich an Kais blauen Augen hängen. Was für ein sympathischer Typ, denke ich nach dem Treffen. Wer weiß? Wenn ich demnächst mal zu einer Hochzeit muss oder einen Tanzpartner bräuchte — die Nummer hab ich ja …

Quelle: Laura, 27.12.2006

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